|
|
Trotz der Fortschritte,
die in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts bei der Entwicklung
von Gusseisen mit Lamellengraphit und Temperguss gemacht wurden,
setzten die Gießereifachleute die Suche nach dem idealen "grauen"
Gusseisen fort, welches bereits im Gusszustand gleiche oder bessere
mechanische Eigenschaften besitzt als Temperguss. Bei seiner Rede
1943 auf dem Kongress der American Foundrymen's Society (AFS) verlas
J. W. Bolton folgende Erklärung:
"Ich bitte um Nachsicht, doch erlauben Sie mir, Sie mit folgender
Frage zu verblüffen. Kann man bei Grauguss die gezielte Einstellung
der richtigen Graphitform verwirklichen? Stellen Sie sich einen
Werkstoff vor, der statt langgezogener Lamellen (im Gusszustand!)
Graphitflocken bzw. Graphitansammlungen aufweist, die denen von
Temperguss ähneln."
Einige Wochen später legierte Keith Dwight Millis im Forschungslabor
der International Nickel Company Gusseisen mit Magnesium (mit einer
Kupfer-Magnesium-Legierung) als Pfannenzusatz. Das Ergebnis rechtfertigte
Boltons Optimismus. Die erstarrten Gussstücke enthielten keine
Graphitlamellen, sondern nahezu perfekt ausgebildete Graphitkugeln.
Das Gusseisen mit Kugelgraphit war geboren.
Fünf Jahre später, 1948, berichtete Henton Morrogh von
der Britisch Cast Iron Research Association auf dem Kongress der
AFS über die erfolgreiche Herstellung von sphärolithisch
ausgebildetem Graphit in übereutektischem Gusseisen durch Zugabe
kleiner Mengen von Cer.
Zum Zeitpunkt von Morroghs Präsentation enthüllte die
International Nickel Company die Ergebnisse ihrer Entwicklungen,
die 1943 mit Millis Entdeckung des Magnesiums als Graphitkugelbildner
begonnen hatte. Am 25. Oktober 1949 wurde der International Nickel
Company das Patent Nr. 2,486,760 erteilt, ausgestellt auf die Namen
Keith D. Millis, Albert P. Gegnebin und Norman B. Pilling. Das war
die offizielle Geburtsstunde des Gusseisens mit Kugelgraphit und
der Beginn eines kontinuierlichen, über fünfzigjährigen,
weltweiten Wachstums der Anwendungsfälle dieses Werkstoffs,
der unberührt blieb von den rückläufigen Entwicklungen
in der Werkstoffkunde und bei Anwendungen anderer Werkstoffe. Was
sind die Gründe für diese Wachstumsrate? Was ist so Besonderes
an diesem Werkstoff verglichen mit anderen Eisengusswerkstoffen?
|